Effizienz, Fähigkeiten, Kompetenzen usw. – die Ermüdung der Welt

Hallo Netzgemeinde,

es ist schon etwas länger her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Manche “Digitalmonster” meinten schon zu mir, dass es nicht gut ist, wenn eine Seite nicht min. ein Mal pro Woche neue Inputs bekommt. – Klar, habe ich gedacht, und das läuft dann auf unzähligen Seiten, dazu noch die Shoppingangebote, sozialen Netzwerke, Nachrichten, ein bisschen TV/Streaming und im Wartezimmer beim Arzt noch ´ne “Brigitte” oben drauf. 

Ganz ehrlich? – Ich hätte gar nicht die Zeit dazu jede Woche etwas in diesem Blog zu posten.

Und noch ehrlicher? – Ich wollte das von Anfang an nicht! Ich wollte Qualität und Sinn in meinen Beiträgen (Ihr dürft mir gerne Feedback geben, auch wenn es (mal) nicht gefällt.).

Diese – meiner Meinung extern – getriebene Sucht nach immer mehr Input, führt dazu, dass in unseren Gehirnen einiges durch das sprichwörtliche Sieb fällt. Das hat auch nichts mit antrainierten Fähigkeiten (“Lernen Sie ein Harry-Potter-Buch in 10 Minuten zu lesen” – Originalwerbung im Internet) und Kompetenzen (“Warum Sie zu erst Ihre Universal-Kompetenzen ausbauen sollten” – noch eine Internetseite) zu tun.

Und wenn der Chef mal wieder auf mehr Effizienz drängt, dann denke ich immer an Raumschiff Enterprise. Da hatten die so oft einen “Bruch der Außenhülle” oder “die Instabilität des Warpkerns” zu befürchten, dass der jeweilige Bordchefingenieur in die absolute Effizienz getrieben wurde: “Ich schaffe das in 2 Stunden, Captain.” “Wir haben nur noch 20 Minuten.” “OK – ich mach´s in 18.”

Was bringt es uns zu selbsttrainierten Übermenschen zu werden? Zu perfekten Glanzbildchen und immer durchgestyltem Leben?

Immer wenn ich mal irgendwo touristisch unterwegs bin, wundere ich mich darüber, wie viele Leute fotografieren und dann weiter gehen/fahren. Einfach mal die Kamera weg lassen und das Bild im Kopf speichern. Nicht noch den Urlaub effizient gestalten “Wenn wir schnell fotografieren, schaffen wir mehr Sehenswürdigkeiten. Die Bilder gucken wir uns dann später mit unseren anderen, perfekten Freunden an.”

 

Im Advent / Am Ende eines Jahres werden ja viele besinnlich und versuchen ruhig zu wirken. Nur um dann im Januar mit neuem Schwung und noch mehr Power an die Dinge des neuen Jahres heran zu gehen. Ich finde das alles wirklich ermüdend bzw. langweilig. Wo bleibt der Spaß am Leben, wenn der Terminkalender jetzt schon gefühlt bis August gefüllt ist? Wo bleibt der Genuss, wenn am Ende einer tollen Leistung nur noch der Ausblick auf eine noch tollere steht? Gibt es Zufriedenheit, wenn man mal weniger leistet als beim letzten Mal?

 

Mir ist egal ob Weihnachten vor der Tür steht. Ich finde wir sollten die Zeiten zwischen zwei Arbeitsschritten, Vorhaben, Leistungen usw. mit uns selbst/unseren Liebsten/an der frischen Luft/bei einem guten Buch usw. verbringen.

CARPE DIEM – wörtlich übersetzt heißt es übrigens “Pflücke den Tag” – wurde schon oft zitiert und noch öfter in den falschen Zusammenhang gerückt. Als Horaz dieses Zitat 23 v. Chr. als Fazit eines Gedichtes schrieb, da war sein Appell für eine möglichst einfache Lebensweise klar verständlich. Nach über 2.000 Jahren sollten wir uns daran meiner Meinung nach jeden Tag erinnern.

 

Live long and prosper,

Euer Markus

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