Sagen vs. Fragen

Hallo Netzgemeinde,

der letzte Blogeintrag ist vom 15.11.2018 und nicht wenige Feedbacks erreichten mich im Stile von “Wann kommt denn endlich mal wieder etwas von Dir?”. HEUTE ist es also so weit. Nicht, dass ich die letzten Monate untätig war. Einige Texte sind quasi fertig, aber noch nicht öffentlichkeitstauglich. Und dagen ist dieser Text hier gar nicht geplant gewesen. Das kommt eher aus der Kategorie “Alltagsthemen”. Vielleicht ist er gerade deshalb interessant. Lest einfach selbst.

Wie viel überall gesprochen, getextet und geschrieben wird. Ich habe kürzlich den negativen Kommentar eines Germanistik-Professors gehört: “Es wurde noch nie so viel kommuniziert wie heut zu Tage, aber so wenig Inhalt ausgetauscht.” Bei der ein oder anderen Diskussion im TV, in einer WhatsApp-Gruppe oder bei einem Stammtisch mag da sicher auch etwas dran sein – oft aber auch beabsichtigt. Wer z.B. in einer WA-Gruppe ist, der darf sich nicht über vermeintlich witzige Videos etc. beschweren. Es tut auch mal ganz gut sich einfach inhaltsloses Zeug “reinzuziehen”.

Wenn aber Menschen wegen “echter” Themen zusammen sitzen/sprechen, fällt mir immer wieder das meiner Meinung nach größte Problem der heutigen Kommunikation auf. Jeder vertritt seine Meinung und es werden Argumente ausgetauscht. Was dabei oft (meist?) fehlt sind ernst gemeinte und tiefgründige Fragen.

Wir haben den bildlich gesprochenen Tunnelblick wenn wir unsere Ansicht per AusSAGEN kommunizieren. Wenn dann ungeduldige Menschen dabei sind, fallen die einem (fast) ins Wort und SAGEN danach ihre Meinung. Es entwickelt sich eine hohe Tunneldichte – wenn man Glück hat trifft mein Tunnel auf den des Kommunikationspartners und unsere Gesprächsröhre wird länger oder stabiler. Bei Pech kreuzen sich unsere Meinungen und es werden Argumente, Fakten usw. nachgeliefert um die eigenen AusSAGEN zu unter-/übermauern (damit der Tunnelblick schön fest eingemauert ist).

AusFRAGEN wäre aus meiner Sicht aber der größere Gewinn für ein Gespräch. Beim Ansehen der Sesamstraße haben wir das doch als Kinder schon gelernt:

Dummheit möchte ich den meisten Gesprächspartnern nicht unterstellen, aber eben auch kein tiefgründiges Interesse an den Ansichten des Anderen. Denn wenn ich permanent meine Meinung SAGE, dann ist das sehr einseitig – selbst wenn die/der Andere auch seine Meinung SAGT.

Stellen wir hingegen doch einfach mal in unseren Gesprächen mehr FRAGEN. Was wird passieren? – Die/der Andere fühlt sich gewertschätzt durch die Neugier und das Interesse. Ich selbst bekomme Hintergründe wie sich mein Gesprächspartner seine Meinung gebildet hat. Dadurch gebe ich mir selbst die Chance darüber nachzudenken und meine eigene Meinung ggf. auch mal anzupassen. Denn die Sozialisation von Menschen und deren Meinungen sind so vielfältig wie die Menschen selbst – bei keinem Menschen gibt es absolut identische Erfahrungen.

Ob banal, fachspezifisch, politisch oder emotional – wenn wir zwischendurch “Wie bist Du zu Deiner Ansicht gekommen?” oder “Welche Erfahrungen hast Du gemacht, dass Du heute so denkst?” oder … ernst gemeint fragen, dann ist allen Gesprächsteilnehmern meiner Meinung nach geholfen.

Dass ich das heute schreibe hat übrigens genau den beschriebenen Grund. Die angeregte Diskussion eines sehr gemischten Kreises (Alte, Junge, Frauen, Männer, Beamte, Führungskräfte, Selbständige) in der nahen Vergangenheit wurde mir einen Tag später sehr bewusst gemacht. Auf die Frage “Wie hast Du eigentlich das Gespräch wahrgenommen?” hatte ich nämlich zunächst keine schlüssige Antwort. Bei längerem Nachdenken fielen mir alle oben genannten Punkte auf. Und beim Vergleich mit weiteren Gesprächen an denen ich aktiv oder passiv teilgenommen hatte, wurde die Analyse eindeutiger: Sagen vs. Fragen, das ist die Herausforderung.

Meine Meinung ist – denke ich – klar geworden. Einfach mehr fragen statt sagen!

Live long and prosper

Euer Markus


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